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EMI

Eye Movement Integration Therapy

Sehr viele Menschen sind - oft ohne, dass ihnen das bewusst ist - durch Gewalt- oder Verlusterfahrungen, durch Verlassenheitsgefühle in der Kindheit oder durch entwertende Beziehungserfahrungen seelisch verletzt. Viele psychische Beschwerden, Ängste und depressive Gefühle beruhen auf derartigen Erfahrungen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie "Eye Movement Integration" helfen kann, seelische Verletzungen zu heilen.

 

Was ist EMI?

EMI ist eine innovative Therapie bei seelischen Verletzungen (Traumatisierungen) und emotional belastenden Erfahrungen, in der der vom Therapeuten angeleitete, langsame Augenbewegungen eingesetzt werden. Da sehr direkte Verbindungen zwischen Augenbewegungen, sensorischem und emotionalem Gedächtnis bestehen, ist EMI in der Lage, auch alte belastende Erinnerungen in sehr kurzer Zeit an die Oberfläche zu holen, neu zu verknüpfen und ihnen ihre destruktive Macht zu nehmen. EMI hilft dem Gehirn, sich selbst zu heilen: es gibt dem Gedächtnis die Chance, Traumatisierungen und belastende Erfahrungen neu einzuordnen und ins Langzeitgedächtnis "wegzupacken".

 

Warum EMI?

Ganz einfach: Weil es verblüffend schnell und nachhaltig wirkt. Trauma-Therapien sind oft sehr langwierig und erfordern natürlich eine Auseinandersetzung mit Erinnerungen und Gefühlen, die Menschen am liebsten gar nicht anrühren möchten. Auch eine EMI-Therapie ist anstrengend, bringt aber meist in sehr kurzer Zeit eine signifikante Erleichterung. Untersuchungen(1) haben ergeben, dass eine EMI-Sitzung im Durchschnitt eine Verbesserung der seelischen Folgen belastender Erinnerungen um 48% erreicht. Eine vollständige EMI-Therapie (zwischen einer und sechs Sitzungen) erreicht eine durchschnittliche Besserung der Symptome um 83%. Folgende Symptombereiche, in denen sich die Folgen belastender Erinneringen manifestieren, wurden dabei untersucht: Körperliche Beschwerden, "Flashbacks" (unkontrolliert wiederkehrende Erinnerungen), Vermeidungsverhalten, negative emotionale Erregungszustände und schließlich Depressionen. In allen untersuchten Bereichen konnte EMI positive Effekte erzielen - zwischen 78% (Vermeidungsverhalten) und 87% Besserung (Depression(2)).

 

Was passiert bei einem Trauma?

"Trauma" ist das griechische Wort für Verletzung. Der Begriff bezeichnet die seelischen "Wunden" und "Narben", die Menschen davontragen können, wenn sie belastenden, seelisch überwältigenden Situationen ausgesetzt sind. EMI vertritt dabei einen relativ weitgefassten Traumabegriff: Alle leidvollen wiederkehrenden Erfahrungen können ein Einsatzgebiet für eine EMI-Therapie sein.

 

Das sind zum einen Gewalterfahrungen, Missbrauch, Katastrophen, Unfälle, Verbrechen ("Trauma Typ 1"). Traumatisiert werden nicht nur Opfer, sondern oft auch Zeugen oder Helfer, etwa Mitarbeiter von Rettungsdiensten oder Polizisten. Auch schwere Erkrankungen oder der Tod naher Angehöriger können traumatisierend wirken. Zum anderen können auch Beziehungsbelastungen Traumata hervorrufen, insbesondere wenn sie über einen längeren Zeitraum andauern ("Trauma Typ 2"). Hier sind zum Beispiel emotionale Vernachlässigung, Verlassenheits-Erfahrungen, Verwahrlosung, Stalking, Ausgrenzung und Mobbing oder vielfach wiederholte Negativ-Botschaften von wichtigen Bezugspersonen zu nennen.

 

Was im Gehirn passiert(3): Bei "normalen" Erfahrungen werden alle Sinneseindrücke unter Mitwirkung der Großhirnrinde interpretiert, mit einem Sinn versehen, eingeordnet, vielleicht mit Hilfe der Amygdala (des Emotionszentrums / Emotionsgedächtnisses) mit einer gefühlsmäßigen Färbung versehen und schließlich im Langzeitgedächtnis abgelegt.

 

Bei traumatischen Erfahrungen funktioniert dies nicht: Die Sinneseindrücke "überschwemmen" das Gehirn, die Gefühle sind zu stark, die Amygdala übernimmt die Kontrolle und verordnet "archaische" Reaktionsmuster wie "Einfrieren" ("tot stellen"), "Flucht" oder "Kampf". Die Großhirnrinde wird gleichsam in der Befehlskette übergangen, die Sprachzentren oft außer Funktion gesetzt. Die Erinnerung kann nicht "integriert" und in sinnvollen Zusammenhängen im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden, sondern sie bleibt im Emotionsgedächtnis (der Amygdala) eingraviert. Dabei stehen Erinnerungen an Bilder, Gerüche, Geräusche, Empfindungen fragmentiert, unverbunden nebeneinander und können durch sogenannte Trigger  jederzeit blitzartig an die Oberfläche geholt werden: An ein Trauma erinnert man sich oft nicht wie an etwas Vergangenes, sondern das Gefühl, manchmal verbunden mit Bildern oder anderen sensorischen Erinnerungen, kann den Menschen jederzeit wieder überfluten; die alte Blockade, die damalige Hilflosigkeit kann plötzlich wieder die Kontrolle übernehmen.

 

Welche Folgen können Traumatisierungen haben?

Neben der "Posttraumatischen Belastungsstörung"(4) (sich aufdrängende Erinnerungen, Alpträume, Schlaflosigkeit, erhöhte Wachsamkeit, Gefühl von Betäubtsein ...) lassen sich eine große Zahl psychischer und auch körperlicher Symptome auch auf Traumatisierungen zurückführen: Depressionen, Ängste und Vermeidungsverhalten, Persönlichkeitsstörungen, manche (Teil-)Leistungsstörungen ... Traumatisierungen können das Immunsystem beeinträchtigen, soziale Beziehungen erschweren, dem beruflichen Erfolg im Wege stehen - es gibt keinen Lebensbereich, der durch seelische Verletzungen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Die gute Nachricht lautet: Ein Trauma ist kein lebenslanges Schicksal. Sehr oft ist Hilfe möglich.

 

Wie arbeitet EMI?

Im Unterschied zum bekannten EMDR arbeitet EMI mit langsamen Augenbewegungen (Smooth Pursuit Eye Movements - SPEM), die in über 20 Bewegungsrichtungen das ganze "Traumafenster" abdecken, in dem die belastende Erfahrung visuell gespeichert ist. Diese Bewegungen zielen darauf, die im Emotionsgedächtnis fragmentiert gespeicherten Erinnerungen behutsam hochzuholen, die Fragmente zusammenzusetzen, die damit verbundenen Gefühle zu "verdünnen", ihnen ihre Macht zu nehmen und sie mit positiven Erinnerungen zu überlagern. Da die Augenbewegungen direkt Selbstheilungsprozesse im Gehirn aktivieren, stellt EMI eigentlich eher eine "Neurotherapie" oder "Gehirn-Physiotherapie" dar als eine Psychotherapie.

 

Beschreiben wir es der Reihe nach:

 

 

Auch mit EMI wird aus einem Trauma keine schöne Erinnerung. Aber sie verliert oft einen großen Teil ihrer Macht, die Gegenwart zu beeinträchtigen.

 

Und was kann EMI noch?

EMI ist definitiv kein Allheilmittel. Aber es hat über seine Rolle in der Traumatherapie hinaus einige sinnvolle Einsatzmöglichkeiten.

 

 

EMI in Therapie und Coaching

Im Rahmen meines auf dieser Webseite beschriebenen Coaching-Angebotes setze ich auf Wunsch EMI als Coaching-Verfahren zur Stressreduktion, Ressourcenaktivierung, Angstreduktion und Auflösung von Blockaden ein; EMI als Traumatherapie bieten wir in der Praxis der Liehrnhof-Akademie an.

 

Fußnoten:

(1) Zu den Untersuchungsergebnissen vgl. Danie Beaulieu: Eye Movement Integration Therapy. The Comprehensive Clinical Guide. Crown House Publishing, Bancyfelin (Wales) 2003, S. 337ff

 

(2) Das Stichwort "Depression" bezieht sich hier auf depressive Zustände aufgrund belastender Erinnerungen und Traumatisierungen. Depressionen, die andere Ursachen haben, sprechen auf EMI weniger gut an.

 

(3) Vgl. dazu Beaulieu, a.a.O., S. 35ff, aber auch Christiane & Alexander Sautter: Den Drachen überwinden. Vorschläge zur Traumaheilung. Ein Arbeitsbuch für Betroffene und für Therapeuten. Verlag für Systemische Konzepte, Wolfegg 2008, S. 41ff

 

(4) In den USA werden je nach Untersuchung 50-90% der Menschen als in irgend einer Weise traumatisiert eingestuft. Etwa 8% entwickeln mindestens einmal in ihrem Leben eine PTBS; bei Rettungskräften, Ärzten, Polizisten oder Soldaten kann der Wert über 50% betragen. http://de.wikipedia.org/wiki/PTBS